Kleines FAQ für Käufer

Wer zum ersten Mal eine Microstock Agentur findet, dem stellen sich als potenzieller Käufer einige grundlegende Frage. Die Fragen kommen natürlich aus dem persönlichen Umfeld und der bisherigen Erfahrung, die ein Besucher mitbringt. Hier ein erster Teil für einen umfassenden Katalog der regelmässigen Fragen und der dazu gehörigen Antworten:

Was heisst „lizenzfrei“ bzw. „royalty free“?

Wer auch immer als erstes den Begriff „royalty free“ ins Deutsche übersetzt hat, besass offensichtlich kein sehr gutes Sprachgefühl. Der deutsche Begriff „lizenzfrei“ ist irreführend, selbstverständlich handelt es sich um eine Lizenz. „Royalty free“ liesse sich vermutlich besser mit „tantiemen frei“ übersetzen. Nach den ersten Geschäftsmodellen von Bildagenturen (die „Rights Managed“ genannt werden und auch heute noch weit verbreitet sind), gibt der Kunde den genauen Einsatzzweck des Bildes an und daraus wird dann ein Tarif für die Nutzung ermittelt. Ein Bild, das in einer weit verbreiteten Werbekampagne auf Plakaten in mehreren Ländern verwendet wird, kostet in diesem Modell dabei mehr als die Nutzung eines Bildes für eine interne Firmenpräsentation.

„Royalty Free“ erleichtert dagegen die Administration durch einen einheitlichen Vertrag für alle Anwendungszwecke. Die genauen Bedingungen sind bei jeder Agentur etwas abweichend, aber in der Regel handelt es sich eine zeitlich unbeschränkte und nicht für einen Zweck limitierte Lizenz. Der Käufer muss also beim Erwerb der Lizenz nicht bereits wissen, ob er sie für mehrere Medien nutzen will oder ob eine Kampagne drei Monate oder ein Jahr dauert.

Warum soll ich für Bilder zahlen, es gibt doch genug kostenloses Material im Internet?

Ja, das Internet macht den Austausch von Bildern einfach. Aber die rechtliche Situation ist dabei schwierig. Die Urheberrechte verbleiben auch bei einer Veröffentlichung immer beim Hersteller des Bildes. Und auch die populären Austauschdienste wie Flickr lassen dem Urheber verschiedene Möglichkeiten, die Bilder in diversen Rechtemodellen darzustellen.

Ein für den Austausch von Bildern inzwischen gängiges Modell sind die „Creative Commons“ Rechte. Diese sind unterschiedlich eingeschränkt. Beispielsweise dürfen Bilder unter CC Lizenz üblicherweise frei und kostenlos genutzt werden – im Mindestfall ist aber die Nennung des Urhebers eine Pflichtvorgabe. In den meisten Fällen sind aber weitere Einschränkungen vorhanden: Beispielsweise darf das Bild nicht kommerziell genutzt werden, es dürfen keine Änderungen am Bild vorgenommen werden und/oder alle Bilder, die als Ergebnis der Nutzung erstellt wurden, müssen unter denselben Bedingungen auch wieder kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Für die meisten Design-Projekte sind diese Einschränkungen nicht akzeptabel. Der Einsatz von Bildern unter CC-Lizenz in einer Werbung ist daher im Normalfall nicht legal.

Eine weitere Einschränkung ist, dass die Rechte der abgebildeten Objekte und vor allem Personen dieser Bilder üblicherweise nicht geklärt sind. Jeder Mensch hat Persönlichkeitsrechte, die zwar einer Veröffentlichung im Rahmen eines persönlichen Fotografen-Archives nicht unbedingt im Wege stehen. Aber spätestens beim Einsatz eines Bildes in einer Werbung müssen die Rechte der abgebildeten Personen eindeutig geklärt sein. Bildagenturen zwingen ihre Fotografen hierzu – entweder durch das Einholen von Modell-Freigaben oder durch die Kennzeichnung der Bilder als „nicht freigegeben“ bzw. „no release“. Letztere können eingeschränkt immer noch für redaktionelle Zwecke genutzt werden.

Wichtig ist hierbei, dass die Verantwortung immer der Nutzer des Bildes trägt. Wenn Sie also in einem Projekt ein Bild mit einer Person verwenden, dann müssen Sie anschliessend mit juristischen Problemen rechnen, falls die Zustimmung der Person hierzu vorliegt. Mit dem Kauf einer Lizenz von einer Bildagentur dürfen Sie davon ausgehen, dass diese Rechte abgeklärt wurden.

Was ist Microstock und wodurch unterscheidet es sich von klassischen Agenturen?

Wie ich bereits in einem vorgehenden Artikel aufgeführt habe, hat sich die Vermarktung von Bildern im Laufe der letzten Jahrzehnte durch neue Technologien und auch vereinfachte Arbeitsabläufe stark verändert. In den klassichen Agenturen werden bis heute zumeist nur professionelle Fotografen nach langwierigen Auswahlverfahren aufgenommen. Dort finden sich entsprechend auch viele Bilder, die einen hohen gestalterischen Wert haben.

Mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie und dem vereinfachten Austausch von Bilddateien über das Internet hat sich ein neuer Trend ergeben: Heute ist es unerheblich, ob ein Fotograf jeden Tag Bilder produziert oder ob er nur in seiner Freizeit oder seinem Urlaub einem Hobby nachgeht. Einzig die Qualität und der Inhalt jedes einzelnen Bildes entscheidet darüber, ob es vermarktbar und kommerziell einsetzbar ist. Ein hochwertiges und für viele Zwecke einsetzbares Bild lässt sich auch mit geringen Mitteln herstellen.

Die Microstock-Agenturen haben damit ein neues, riesiges Potenzial als Bildmaterial gewonnen. Jeder konnte nun seine Bilder für kommerzielle Zwecke vermarketen und damit einen Teil seines Hobbies finanzieren oder die Möglichkeit gewinnen, als Fotograf ein Nebeneinkommen zu erzielen – es gibt aber auch viele Beispiele von Hobby-Fotografen, die sich erst durch Microstock durch lange, harte Arbeit die Möglichkeit erworben haben, Fotografie als ihren Beruf auszuüben.

Heisst das, Bilder von Microstock-Agenturen sind unprofessionell?

Nein, keinesfalls. Es heisst nur, dass nicht jedes Bild von einem hauptberuflichen Fotografen stammt. Einzig die Qualität jedes einzelnen Bildes entscheidet über die Aufnahme oder Ablehnung. Zudem wird bei den meisten Agenturen grosser Wert auf die Abklärung rechtlicher Hindernisse (Modell- und Objektfreigaben) Wert gelegt. Der Kauf eines Bildes bei einer Microstock-Agentur ist dadurch wesentlich einfacher, aber nicht weniger sicher als bei einer klassischen (Macrostock) Agentur.

Wieso sind Microstock-Bilder so günstig?

Die Abläufe beim Herstellen, Bearbeiten, Katalogisieren und Austauschen von Bildern haben sich den letzten Jahren dramatisch vereinfacht. Noch vor weniger als zehn Jahren wurden kommerzielle Bilder meist auf Negativen bzw. Dias erstellt. Diese wurden dann per Post an eine Agentur verschickt, die Bilder manuell betrachten und auswählen musste. Danach wurden die Bilder auf andere Dias kopiert und an Kunden verschickt. Die Kunden haben Bilder erneut manuell betrachtet und dann ein Bild ausgewählt. Dabei wurden tatsächlich immer physische Produkte verschickt, was nicht nur mit Kosten, sondern auch mit Risiko (Verlust des Bildes) behaftet war.

Heute kann ich in meinem Studio ein Bild schiessen, sofort von der Speicherkate auf meinen Computer laden, dort bearbeiten und meiner Agentur elektronisch schicken. Die Begutachtung des Bildes erfolgt dann am Computer und nach der Freigabe endet das Bild in einer Online-Bibliothek. Die tatsächliche Arbeitszeit hat sich dadurch enorm reduziert, theoretisch kann ein Bild in weniger als 24 Stunden nach der Erstellung bereits von einem Kunden genutzt werden.

Diese Kostenvorteile könnten Microstock-Agenturen an ihre Kunden weitergeben.

Aber verdient der Fotograf dann nicht weniger?

Dies ist in der Tat eine Streitfrage auch unter Fotografen. In den klassichen Agenturen hat ein Fotograf oftmals mehrere hundert Dollar mit einer einzelnen Lizenz verdient. Entsprechend waren aber auch nur wenige Verkäufe pro Bild zu erwarten. Es gibt auch im Macrostock-Modell natürlich Bilder, die sich immer wieder für verschiedene Zwecke verkaufen, es lassen sich Bilder mit 50 oder 100 Lizenzen pro Jahr finden.

Mit der Verbreitung digitaler Medien wurde aber auch der Einsatz von Bildern viel einfacher. Es gibt heute deutlich mehr Zwecke, für die kommerzielle Bilder verwendet werden. Angefangen von den vielen Internetseiten, die heute ohne den Einsatz visueller Hilfsmittel den Leser kaum noch lange halten. Aus den ersten rein textbasierten Seiten sind heute Multimedia-Portale geworden. Hinzu kommt aber auf der deutlich grössere Bedarf für Firmenpräsentationen, Geschäftsberichte, Werbebroschüren oder auch nur das Plakat oder der Handzettel für die nächste Studenten-Party. In allen Medien werden mehr und bessere Bilder genutzt.

Durch den grösseren Bedarf ist also auch der Markt gewachsen. Dies gleicht die Verluste beim Ertrag pro Kauf weitgehend aus. Gute Stockbilder verkaufen sich heute mehrere hundert oder sogar mehrere tausend Mal. Der Rekord bei iStock liegt bisher bei 15.000 Verkäufen eines einzelnen Bildes!

Kann ich noch weitere Fragen stellen?

Natürlich. Ich werde dieses FAQ mit weiteren Artikel in den kommenden Wochen ergänzen. Besonders werden die genauen Lizenzbedingungen und Einschränkungen am Beispiel von iStock betrachten. Aber Sie können auch gerne Fragen hier als Kommentare hinterlassen oder mir eine Email an me@michaeljay.ch schreiben.

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